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Denkmale sind Zeugnisse der Geschichte, die immer wieder Opfer von Vandalismus und Schändungen werden. Seit der Zeit der Pogrome im Mittelalter und besonders seit der Shoah im Nationalsozialismus sind Schändungen als Zeichen von rassistischer Agitation bekannt. Genaue Analysen zu Schändungen können nur durch eine Datenauswertung gewonnen werden. In der Arbeit der AG sollen neben den jüdischen Begräbnisstätten auch die aktuell wachsenden Beisetzungsorte für Verstorbene der muslimischen Religion berücksichtigt werden, denn es gilt im Hinblick auf die sich wandelnde Gesellschaft auch die Sepulkralkultur von wachsenden Minderheiten in der Präventionsarbeit zu berücksichtigen.

Durch die Mitwirkung an der Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit wird die Sepulkralkultur in ihrer Bedeutung und Bekanntheit gestärkt und dadurch eine gesellschaftliche Sensibilisierung unterstützt. Es ist angedacht, durch geeignete Instrumente der Bevölkerung bei der Prävention und Tatermittlung Möglichkeiten der Mitwirkung zu geben, denn die Wahrung des immateriellen und ebenso des materiellen Erbes der Trauerkultur ist ein gesamtgesellschaftliches Anliegen.

Die Entwicklung von Pro- und Kontra-Kriterien zum Umgang mit religiösen Begräbnisstätten in der Öffentlichkeit sowie der Parameter für die Ermittlung einer Gefahrenprognose und -analyse und nicht zuletzt die Erarbeitung einer Präventions- und Interventionsstrategie bedürfen einer Erhebung und Analyse des Modus Operandi und der Entwicklung einer Typologie von Schändungen am sepulkralen Objekt in seinem räumlichen Umfeld.

Zudem ist es ein wichtiges Anliegen der AG, den Austausch und die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen, die mit dem Thema in praktischer Hinsicht zu tun haben, zu fördern. Besonders der Austausch mit Repräsentantinnen und Repräsentanten der vertretenden Religionsgemeinschaften im lokalen Raum soll unterstützt werden. Das angedachte Netzwerk soll vertrauensvollen Umgang und Akzeptanz schaffen.

Am 21. März 2024 besuchten die AG-Mitglieder den Nordhäuser Hauptfriedhof und im Anschluss den alten jüdischen Friedhof. Sinn und Zweck des Aufsuchens dieser Orte war, sich ein Bild von den Begräbnisstätten von Juden und Muslimen zu machen und dabei die unterschiedlichen Sepulkralkulturen wahrzunehmen. Der Hauptfriedhof Nordhausen ist einer von derzeit vier Friedhöfen in Thüringen, der sowohl über einen jüdischen als auch über einen muslimischen Bestattungsbereich verfügt. Im Anschluss wurde der in den 1820er Jahren eröffnete jüdische Friedhof besucht, auf dem begleitend zum Digitalisierungsprojekt der Hochschule Nordhausen eine Info- und eine QR-Code-Tafel sowohl über den „Guten Ort“ in Nordhausen als auch über vier weitere Friedhöfe im Landkreis informieren. Als ein nahes Ziel der AG ist angedacht, über die QR-Codes zusätzlich eine schnellere Meldung von potenziellen Straftaten durch die Verlinkung mit einer Online-Meldefunktion für Besucher zu ermöglichen.

Jede Beisetzungs- und Totengedenkstätte hat ihre eigene räumliche Situation und Geschichte. Für alle Stätten gilt aber gleichermaßen, die Würde der dort beigesetzten Personen bzw. das Gedenken an sie zu erhalten und die Grabstätte vor Vandalismus und Schändungen zu schützen. Im Zeitraum von 2009 bis 2021 gab es 736 aktenkundige Fälle von Störung der Totenruhe auf Friedhöfen in Thüringen. Die Dunkelziffer von nicht gemeldeten Taten liegt um einiges höher.

Auch jüdische Friedhöfe sind in Thüringen Tatorte von Straftaten. In Abstimmung mit der jüdischen Landesgemeinde Thüringen hat die Arbeitsgruppe QR-Code-Tafeln erstellt und an die jüdischen Friedhöfe mit der Bitte versandt, sie sichtbar auf dem Friedhofsgelände bzw. im Eingangsbereich anzubringen. Über den QR-Code erhalten Besucher Informationen zum Friedhof und die Möglichkeit, Beschädigungen, Schmierereien oder sonstige Verunglimpfungen der Toten digital an RIAS (Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Thüringen) zu melden. RIAS dokumentiert antisemitische Vorfälle in Thüringen und unterstützt von Antisemitismus Betroffene.

Anhand erster empirischen Studien und praktischer Erkenntnissen hat die Arbeitsgruppe eine Informationsbroschüre und ein Hinweisblatt erstellt, um die Präventionsarbeit beim Schutz von thüringischen Grabstätten zu unterstützen.